| Hemmenhofen |
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Gestern:
Eine Uferbesiedelung im Flachwasser ist bereits
für die Jungsteinzeit (5500- 1800) vor Christus und die Broncezeit
(1800 bis 750) vor Christus bezeugt. Gräber und Funde gibt es
aus dem 7. und 8. Jahrhundert nach Christus. Der Name Hemminhovun
ist vom Personennamen Hemmos und Hof abgeleitet. Die früheste
Urkunde stammt von 882. Aus dieser geht hervor, dass Hemmenhofen
dem Bischof Salomon II. von Konstanz gehörte. Dieser gab Hemmenhofen
im Tausch gegen andere Ländereien an den Abt von St. Gallen.
Gegenüber von Hemmenhofen lag am schweizerischen Ufer in Feldbach
ein Kloster der Zisterzienzerinnen. Im Jahre 1265 erwarben diese
ersten Besitz in Hemmenhofen. 1282 verkaufte der Abt von St.
Gallen den ganzen Ort an das Kloster Feldbach. Das Kloster konnte
bis Ende 1805 in Hemmenhofen durch den Vogt die niedere Gerichtsbarkeit
ausüben. Die hohe Gerichtsbarkeit und die Territorialhoheit stand
Österreich als Inhaber der Landgrafschaft Nellenburg zu. Das
Forst- und Jagdrecht besaßen die Bischöfe von Konstanz als österreichisches Lehen. 1806 kam der Ort zum Königreich Württemberg. 1810 zum Großherzogtum
Baden. In der Zeit von 1832 bis 1842 wurden die restlichen Klosterbesitzungen
im Ort privatisiert. Das Kloster wurde 1848 aufgelöst. Die in
Hemmenhofen liegenden klösterlichen Gebäude brannten 1895 größtenteils
ab. Eine Kirche ist 882 erstmalig urkundlich erwähnt und seit
1282 St. Katharina und St. Agatha gewidmet. Die heutige Kirche
St. Agatha wurde vermutlich 1401 und 1505 als spätgotische Saalkirche
erbaut, wobei romanische Teile mit verwendet wurden. Die kleine
Sebastianskapelle am nördlichen Ende des Ortes stammt aus dem
Jahre 1766. Der Friedhof befand sich anfangs neben der Kirche.
1858 wurde er auf die Höhe über dem Ort verlegt. Ab 1416 ist
eine Fährverbindung nach Steckborn bezeugt. Das von 1904 bis
1974 geführte Gemeindewappen zeigt auf schwarzem Grund den rot/silbern
geschachtelten Zisterzienzerbalken, darüber auf Gold eine blaue
Hirschstange. Der Balken erinnert an die Herrschaft und niedere
Gerichtsbarkeit des Klosters Feldbach, die Geweihstange an die Landgrafschaft Nellenburg.
Und heute:
Seit 1974 gehört der Ort zur Gemeinde Gaienhofen
und hat heute 540 ständige Einwohner und ca. 260 Zweitwohnungen.
Im Ort gibt es Hotels Gaststätten und Privatpensionen mit über
250 Betten; und über 20000 Übernachtungen pro Jahr. Seit 1976
gilt der Ort auf Grund seiner Lage und Ruhe als staatlich anerkannter
Erholungsort. Dazu tragen die 4 verschiedenen Klimazonen bei,
die sich vom See bis zu den großen Höhen des Schiener Berges
erstrecken. Es gibt hier Läden, Fischer, mehrere Obst und Gemüsebauern,
einige Handwerksbetriebe, eine Segelschule, einen aktiven Yachtclub
und mehrere Vereine. Die große Blasmusik-Kapelle erfreut im Sommer
die Gäste mit wöchentlichen Promenadenkonzerten im schönen Uferpark.
Eine Schiffsanlegestelle wird ab dem Frühjahr bis zum Herbst
von den Kursschiffen zur Nutzung angefahren. Das Landesdenkmalamt
betreibt in der ehemaligen Schule die Unterwasser- und Pfahlbauarchäologie.
Sehenswert ist auch der 1603 errichtete Torkelbau, der als Zehntscheuer
und Kelter vom Kloster Feldbach genützt wurde. Der Ort war Refugium für bekannte Maler und andere Künstler. Unter ihnen:
Otto Dix, Erich Heckel, Helmut Mackl, Walter Herzger, Curth Georg
Becker, Peter Mayer und Hans Kindermann. Das Haus des Malers
Otto Dix, der hier von 1936 bis zu seinem Tode 1969 wohnte und
arbeitete, ist heute ein viel besuchtes Museum. Einige seiner
Werke können dort besichtigt werden. Sie sind dem Realismus mit
sozialkritischer Tendenz zuzuordnen. Neben Otto Dix fand der
Maler Erich Heckel (1883 bis 1970), der hier ab 1944 lebte, auf
dem Friedhof über dem Ort seine letzte Ruhestätte.
Autor: Dr. Peter Plett
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